Social Media Recruiting: Mitarbeiterwerbung im Netz

Der Fachkräftemangel geistert durch die deutsche Medienlandschaft. Forscher sagen, er wird das Wirtschaftswachstum Deutschlands hemmen und für einen generellen Anstieg der Löhne sorgen. Aber abgesehen von diesen allgemeineren Folgen, spüren kleine und große mittelständische Unternehmen schon lange die Auswirkungen. Azubi-Stellen, die nur noch alle paar Jahre belegt werden können, oder die Position, die schon viel zu lange provisorisch von einem/einer Mitarbeiter*in mitbearbeitet wird, weil sie noch nicht besetzt werden konnte. Der Druck lastet auf den Unternehmen, sich besser zu positionieren und für potentielle Bewerber*innen attraktiv zu sein. Viele entscheiden sich für die naheliegende Lösung, die Reichweiten von Social Media für die Verbreitung ihrer Stellenanzeigen zu nutzen. Das Personalmarketing wandert also in die sozialen Netzwerke.

Von Personalmarketing 4.0 zu Employer Branding

Allerdings geht es nicht darum, einfach neue Stellenanzeigen auch in den sozialen Netzwerken zu verbreiten und dann auf Bewerbungen zu warten. Wie bei jedem Lösungsansatz, der Social Media involviert, sollte zuerst eine grundlegende Strategie entwickelt werden. Auch einige Fragen müssen zu Beginn beantwortet werden: Soll die Kundengewinnung und die Mitarbeiterwerbung über den gleichen Kanal geschehen? Alternativ sollte für diese unterschiedlichen Zielgruppen z.B. ein eigener Facebook-Kanal (“SolarGmbH_Karriere”) in Betracht gezogen werden. Gibt es Mitarbeiter*innen, die besonders erfolgreich und häufig in den sozialen Netzwerken unterwegs sind? Bei jedem dieser Mitarbeiter*innen handelt es sich um Multiplikatoren, die unbedingt in eine Strategie miteinbezogen werden müssen!

Denn letztendlich ist es auch Ziel des Social Media Recruitings, über die Kommunikation der Unternehmenskultur in den sozialen Netzwerken potentielle Bewerber*innen auf das Unternehmen aufmerksam zu machen. Beim sogenannten Employer Branding, werden Konzept aus dem Marketingbereich, insbesondere der Markenbildung, angewandt. Wie bei der allgemeinen Markenbildung soll beim Employer Branding der Namen des Unternehmens eine positive Assoziation als potentieller Arbeitgeber hervorrufen.

Vorteile von Social Media Recruiting und Employer Branding

Klingt nach viel Arbeit? Zeit, sich die Vorteile von Social Media Recruiting und Employer Branding vor Augen zu führen:

  • Erreiche potentielle Bewerber*innen, die vielleicht (noch) nicht auf aktiver Jobsuche sind

  • Finde langfristig die richtigen Mitarbeiter*innen für dein Unternehmen, indem du sie als Fans deiner Unternehmenskultur gewinnst.

  • Beurteile das Können und die Leidenschaft deiner Bewerber*innen über ihr Profil in den sozialen Netzwerken (Lebensläufe werden auf Xing dargestellt, leidenschaftliche Grafiker*innen posten ihre Arbeit oft auf Instagram)

  • Auf der anderen Seite kannst das Unternehmen Menschen herausfiltern, die sich auf den sozialen Netzwerken daneben benehmen. So lässt es sich vermeiden, dass die falsche Person für die Stelle eingestellt wird.

So weit so gut, aber wie soll die Strategie am Ende aussehen?

Eckpunkte einer Social Media Recruiting-Strategie

Jede Strategie sollte individuell auf die Bedürfnisse des einstellenden Unternehmens zugeschnitten sein. Nichtsdestotrotz gibt es einige Eckpunkte, die immer zumindest in Betracht gezogen werden sollten, wie zum Beispiel die Einbeziehung der eigenen Mitarbeiter. Auch Personaler und Recruiter, die über keine aussagekräftigen Social Media-Profile verfügen, sollten bei dem Aufbau ihrer Online-Präsenzen unterstützt werden.
Bestimmte Berufsgruppen treffen sich gerne auf Nichen-Seiten, abseits von Facebook, Instagram und Co.. So sind beispielsweise Software-Entwickler eher auf GitHub zu finden.
Der Aufbau eines eigenen Kanals nur für die Mitarbeiterwerbung erscheint vielen als überflüssig. Allerdings ist zu beachten, dass die Kund*innen und die potentiellen Mitarbeiter*innen aus völlig unterschiedlichen Zielgruppen kommen können. Um eine zielgruppengerechte Ansprache für beide zu garantieren, lässt sich der Aufbau und die redaktionelle, kontinuierliche Betreuung von zwei Kanälen nicht umgehen.

Eine gut durchdachte Strategie sollte auch die geplanten Inhalte im Sinne des Content Marketings mit einbeziehen. Damit sich zukünftige Bewerber*innen ein Bild von dem Unternehmen machen können, müssen die richtigen Bilder produziert und in den sozialen Netzwerken verbreitet werden. Bilder, Videos und Imagefilme charakterisieren die Employer Brand mit visuellen Anhaltspunkten, sorgen für aktive Facebookseiten und attraktive Instagramprofile.

Eventuell reichen die Ressourcen im eigenen Unternehmen nicht aus, dann sollte über eine Verstärkung des Social Media Teams oder über die Beauftragung einer Agentur nachgedacht werden.

Best Practice: Wie Otto.de um neue Mitarbeiter wirbt

Der Online-Retail-Riese Otto.de hat nicht nur für sein Kerngeschäft eine äußerst erfolgreiche Präsenz auf Instagram, Facebook & Co. Auch für die Mitarbeiterwerbung und die Kommunikation der Unternehmenskultur unterhält das Unternehmen einen eigenen Instagram-, Facebook- und Snapchat-Kanal. Auf Otto Jobs werden regelmäßig Mitarbeiter*innen vorgestellt, Fotos von Arbeitsräumen und Events veröffentlicht. Hier kommuniziert Otto.de seine Werte als Arbeitgeber und Mitarbeiter kommen zu Wort. So können sich potentielle Bewerber schon vorab ein Bild von ihrem zukünftigen Arbeitsalltag machen.

In einer Zeit, in der deutlich mehr Arbeitsplätze für weniger Bewerber*innen zur Verfügung stehen, müssen sich Arbeitgeber gut positionieren, um Engpässen in der Stellenbesetzung zu vermeiden. Mithilfe von effektivem Social Media Recruiting und einem überzeugendem Employer Branding können Unternehmen ihre Potenziale & Stärken kommunizieren und so die richtigen Bewerber*innen ansprechen.

Rebekka Emrich